Leben wir im Kapitalismus oder im Sozialismus?

Linke prangern gerne die „kapitalistischen“ Verhältnisse an, die zu Konsumwahn, Ausbeutung von Arbeitskraft und Umweltzerstörung führen. Libertäre dagegen beklagen die „sozialistischen“ Aspekte des herrschenden Systems und meinen damit vielfältige Bevormundung wie Steuern, Pflichtversicherung und staatliches Währungsmonopol. Doch tatsächlich ist es ein und ein dasselbe System, in dem wir leben, das die einen Kapitalismus und die anderen Sozialismus nennen.

Betrachten wir unsere heutige politische und wirtschaftliche Situation auf der Welt: Man kann objektiv sagen, dass einige große transnationale Unternehmen, Banken wie Industrie- oder Medienkonzerne, eine untereinander stark vernetzte Eigentumsstruktur aufweisen (siehe Vitali et al., 2011). Außerdem üben sie große Macht auf die Politik aus und sorgen somit dafür, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ihre Machtstellung gegenüber der Konkurrenz festigen und ihre Profite erhöhen. Da sie den Politikern einreden können, dass sie „too big to fail“ seien, retten sie sogar staatliche Hilfsgelder vor dem Bankrott, und damit vor dem entscheidenen Korrektiv des Marktes. Die großen Konzerne verzerren also den Wettbewerb zu ihren Gunsten und halten sich durch Marktaufteilung und Oligopolisierung die Konkurrenz vom Hals. Dieses Herrschaftssystem, in dem wir uns – weitgehend unwissentlich – befinden, wird Korporatokratie genannt. Während uns z.B. in den Supermarktregalen eine bunte Vielfalt an scheinbar miteinander konkurrierenden Produkten präsentiert wird, laufen die Fäden tatsächlich in erschreckend wenigen Händen zusammen. Die Kartellbehörden durchdringen diese Strukturen nur selten und sind weitgehend wirkungslos.

Einerseits üben Unternehmen Macht aus, was nach Kapitalismus aussieht. Andererseits herrscht kein freier Markt und der Wettbewerb wird eingeschränkt. Die Tatsache, dass die Politik in die Wirtschaft eingreift, ist für Libertäre ein Zeichen für Sozialismus. Man könnte nun aber sagen, dass diese Art der „Planwirtschaft“ durchaus etwas Kapitalistisches sei, da hier Unternehmen im mehr oder weniger offen ausgetragenen Wettbewerb diese Ungleichgewichte im Markt geschaffen haben, d.h. sie haben die Politik durch ihr eigenes unternehmerisches Handeln selbst korrumpiert. Ziel des Libertarimus ist hingegen ein schlanker Staat, der nur einen rechtlichen Rahmen bereitstellt, der Rechtssicherheit und Eigentum garantiert. Wenn der Staat nicht mehr leisten kann als das, lässt er sich auch kaum missbrauchen.

Sowohl „Kapitalismus“ als auch „Sozialismus“ sind Kampfbegriffe, die jeweils für die eine Gruppe das Ziel und für die andere Gruppe den Untergang darstellen. Kompliziert wird es dadurch, dass jeweils etwas anderes darunter verstanden wird. Wenn wir nicht klar für eine Seite Position beziehen wollen, sollten wir bei der Verwendung dieser Begriffe im Hinterkopf behalten, dass sie sowohl für die Beschreibung der Gegenwart, für Utopien als auch für Endzeitszenarien herhalten müssen.

Streng genommen hat es Kommunismus oder Sozialismus nie gegeben, höchstens Ansätze davon in kleinen Gruppen. Das gilt ebenso für den Kapitalismus. Das Idealbild des Kapitalismus ist der freie Markt, eine Wirtschaft, in die von der Politik nicht eingegriffen wird und in der totaler Wettbewerb herrscht. Allerdings muss der Staat einen rechtlichen Rahmen setzen, um vollständigen Wettbewerb zu ermöglichen. An diesem Punkt scheiden sich patriotische von anarchistischen Libertären, die jeglichen staatlichen Rahmen ablehnen. Darüber hinaus sind Staatseingriffe der Politik in die Wirtschaft in den Augen Libertärer immer zerstörerisch für das Gesamtsystem. Linke dagegen wollen, dass die Regierung in Preisbildung, Vertragsbedingungen, Handel und Löhne eingreift. Sie wollen jedoch nicht, dass Unternehmen die Politik für sich instrumentalisieren. Vielmehr soll die Regierung im Sinne des Gemeinwohls die Wirtschaft regulieren. Ob das einerseits erforderlich oder andererseits überhaupt möglich ist, ist ein Gegenstand weltanschaulicher Differenzen. Ironischerweise werden auch solche Linke, die für alle das Beste wollen, unwissentlich zu Erfüllungsgehilfen der Großkonzerne, da sie dem Staat und supranationalen Strukturen wie der EU Macht verschaffen, die dann von Konzernen instrumentalisiert wird.

Ich selbst bin vorsichtig, dem Markt so viele heilsbringende Eigenschaften zuzusprechen, wie Libertäre es tun. Der Markt tut sich nämlich u.a. schwer damit, endlichen Ressourcen einen realistischen Preis zuzuweisen. Außerdem sind relevante Informationen nicht gleichverteilt, sodass Käufer nicht immer die beste Entscheidung treffen können. Fest steht jedenfalls, dass unternehmerische Einflüsse auf die Politik abgestellt werden müssen. Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft im Interesse des Volkes wie etwa das Verhängen von Schutzzöllen halte ich für angebracht. Linke sollten sich von der Idee verabschieden, dass alles immer besser ist, je globaler es ist. Tatsächlich haben sie das in Bezug auf lokale Nahrungsmittelversorgung in weiten Teilen bereits erkannt. Linken und Libertären sei gesagt, dass der Nationalstaat ein Schutzraum vor der Korporatokratie sein kann. Er kann den Zugriff großer transnationaler Konzerne auf seine Ressourcen und sein Volk einschränken und lebensfähige Strukturen auf nationaler und regionaler Ebene ermöglichen. Darauf sollten wir gemeinsam hinarbeiten.

Studie über die Vernetzung der Großkonzerne:

Vitali, S., Glattfelder, J.B., Battiston, S. (2011) The Network of Global Corporate Control. PLoS ONE 6(10): e25995. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0025995

Empfehlenswerte zeitgenössische libertäre Bücher:

Reinhard Deutsch: Das Silberkomplott. Kopp Verlag, Rottenburg, 2006.
G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island. Kopp Verlag, Rottenbug, 4. Auflage, 2012.
Oliver Janich: Das Kapitalismus-Komplott. 6. Auflage, Finanzbuchverlag, München, 2012.
Gerd-Lothar Reschke: Vom Falschgeldsystem zum freien Marktgeld. 1. Auflage, Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2011.
Frank Schäffler: Nicht mit unserem Geld! Finanzbuchverlag, München, 2014.

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Aus der Stille kommt die Kraft

Zwei alte japanische Schwertmeister stehen sich im Wettkampf mit erhobenen Bambusschwertern gegenüber. Jeder ist bereit, sofort zuzuschlagen, wenn der andere seine Aufmerksamkeit nur für einen Sekundenbruchteil abschweifen lässt. Sie verharren so, einander regungslos in die Augen sehend und bereit zum Schlag. Dann ist die Zeit des Wettkampfes abgelaufen und sie verbeugen sich. Dies war ein vollwertiger Kampf auf hohem Niveau, obwohl äußerlich nichts geschehen ist.

Kein imponierendes Drohen, keine Wut, keine unkontrollierten berserkerhaften Bewegungen. Stattdessen volle Konzentration, volles Gewahrsein, volles Im-Hier-und-Jetzt-Sein. Der Atem strömt ein und aus und der Geist ist leer. Diese Art zu kämpfen, ist uns westlichen Menschen fremd. Dabei birgt sie die Fähigkeit zu großen Leistungen und zum Untergang ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es denn sein muss. Die Samurai haben uns das in atemberaubender Weise vorgeführt. Das ist nur möglich, da der Budo, das heißt, der Weg des Kampfes, traditionell eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist.

Zum Zen-Buddhismus gehört eine regelmäßige Meditationspraxis, Zazen genannt. Dabei sitzt man bewegungslos auf einem Kissen, starrt mit halb-geschlossenen Augen vor sich auf den Boden, atmet bewusst ein und aus und lässt seinen Geist zur Ruhe kommen. Man zählt seine Atemzüge, von 1 bis 10 und fängt dann wieder von vorne an, bis die Zeit abgelaufen ist. Das klingt einfach; wenn ihr es aber mal versucht habt, habt ihr erfahren, dass diese Art der Meditation in Wirklichkeit ganz schön viel Übung erfordert. Ständig kommen und gehen Gedanken und Gefühle. Wenn man bemerkt, dass man abgelenkt ist, gibt man sich einen Ruck und fängt man wieder von vorne an zu zählen.

Ihr fragt euch vielleicht, warum man sich das antun sollte. Wer regelmäßig meditiert, kann sich besser konzentrieren, bleibt gelassener und lässt sich weniger von Gedanken und Gefühlen ablenken. Das Zählen ist nur ein Mittel, um dem Bewusstsein etwas zu geben, worauf es sich fokussieren kann. Denn wenn die Aufmerksamkeit auf dem Zählen liegt, kann sie nicht gleichzeitig woanders sein. Natürlich kann man auch über andere Dinge meditieren; z.B. im Yoga gibt es eine bunte Vielfalt von Meditationsarten. Es kann ein Mantra sein, also ein heiliger Text, es kann ein Bild sein, ein Thema im Leben oder eine Eigenschaft, die man entwickeln möchte wie z.B. Gelassenheit. Alle Religionen kennen Meditationstechniken, so kann man im Christentum einen Rosenkranz beten und dabei in einen meditativen Geisteszustand kommen; ebenso lässt sich das auf das Surenrezitieren im Islam oder Thorarezitieren im Judentum anwenden. Das Entscheidende ist, dass eine Meditationstechnik die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ohne dabei zum Nachdenken anzuregen. Es geht nicht darum, sich bewusst Gedanken zu machen, sondern sich dem zu überlassen, was kommt, wenn man auf den Gegenstand der Meditation fokussiert ist. Das ist für uns Westler oft besonders schwer. Denn schließlich hat Descartes gesagt: Ich denke, also bin ich! Doch wer Kraft aus der Meditation schöpfen will, der übe sich darin, einfach nur zu sein.

Wer sich über das Alltagsbewusstsein erhebt, nimmt plötzlich alles sehr klar und deutlich wahr, doch ohne sich darüber noch Gedanken zu machen. Ich habe niemals einen Vogel so intensiv und ergreifend singen hören, wie in diesem Zustand. Bald dringt man zu einer wundervollen Stille durch; vermutlich das, was die Mystiker des Christentums als die Liebe Gottes erfahren haben. Es handelt sich um eine bedingungslose All-Liebe. Wir fühlen uns geliebt und angenommen und fließen gleichzeitig über vor Liebe zu allem: Menschen, Tieren, Pflanzen, der Erde, und auch uns selbst. Nach der Lehre des Yoga-Weisen Patanjali ist das in dieser Liebe verweilende Bewusstsein unser Wahres Selbst. Die Freuden und Leiden des Alltags sind dagegen nur tanzende Lichter.

Wenn wir schließlich aus der Versenkung an die Oberfläche des Bewusstseins zurückkehren, befinden wir uns aber wieder inmitten dieser Welt. Bald ist unser Bewusstsein wieder von Gedanken und Wünschen, Drängen, Abneigungen und Ängsten erfüllt, so dass wir nicht spüren, was darunter verschüttet liegt. Es sei denn, wir üben uns immer wieder, regelmäßig, in der Meditation. Dann gibt uns die Gewissheit Kraft, dass es da tief in uns etwas gibt, das unzerstörbar und wundervoll ist, ganz egal, was um uns herum passiert. In der heutigen unsicheren Zeit und den vermutlich bevorstehenden Krisenzeiten ist das eine unbezahlbare Ressource. Man kann darüber verzweifeln, wenn die Beziehung scheitert, man die Arbeit verliert, man von anderen nicht verstanden und verachtet wird. Man kann sich aber auch dem Leid mit all seinen Abgründen öffnen, durch diese Abgründe wandeln und – wenn man die wundervolle Tiefe in seiner Mitte gefunden hat – erhobenen Hauptes weiterkämpfen.

Um diesen Weg zu gehen, versucht immer wieder, eure Aufmerksamkeit dem Hier und Jetzt zu schenken. Versucht, weniger Dinge gleichzeitig zu tun, auch wenn es schwer fällt, weil wir so sehr gewöhnt sind, alle Lebensbereiche so effizient wie möglich zu gestalten. Letztlich ist es aber gar nicht effizient, gleichzeitig zu frühstücken, die Zeitung zu lesen und Musik zu hören. Hinterher wisst ihr nämlich nicht mehr so gut, wie es geschmeckt hat, welche Musik ihr gehört und was ihr gelesen habt. Dann habt ihr eurem Geist die Zügel schießen lassen. Er ist ein bisschen wie ein Hund, den man erziehen oder aber sich von ihm auf der Nase herumtanzen lassen kann. Der Geist kann ein sehr treuer Hund sein, wenn man erkennt, dass er nicht unser Herr, sondern ein großartiger Diener ist.
Aller Anfang ist schwer und persönliche Entwicklung braucht Zeit und Energie. Wenn ihr euch auf diese Entwicklung einlassen wollt, aber nicht jeden Tag 25 Minuten still sitzen könnt, dann fangt mit 5 Minuten an. Das Wichtigste ist, es regelmäßig zu tun. Niemand hat gesagt, dass es einfach sein würde. Und Bücher über Meditation zu lesen ist etwas anderes, als zu meditieren. Man muss es schon tun. Bewusster zu leben ist eine Herausforderung, doch es lohnt sich, sich ihr zu stellen.

Quellen:

Robert Aitken: Zen als Lebenspraxis. Diederichs Gelbe Reihe, Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München, 2003.
Taisen Deshimaru-Roshi: Zen in den Kampfkünsten Japans. Werner Kristkeitz Verlag, Heidelberg-Leimen. 3. Auflage, 1994.
Sukadev Volker Bretz: Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute. Verlag Via Nova, Petersberg. 6. Auflage, 2016.

Patriotismus im Metal

Der Patriot möchte auch einmal etwas Gehaltvolles hören, nicht nur das, was man heute Popmusik nennt. Der eine hört dann Frei.Wild (sic), der andere Rammstein, die etwas ältere Garde hört Böhse Onkelz. Auch wer Hiphop dem Rock und Metal vorzieht, hat eine große Vielfalt an patriotischen Musikern zur Auswahl. Hier soll es nun um Patriotismus speziell im Metal gehen. Vom Feld des nationalsozialistischen Black-Metal (NSBM) grenze ich mich hier ausdrücklich ab, wie auch viele Metalbands es zurecht tun. Man übertreibt es allerdings mit der Abgrenzung, wenn man jeden, der einen Thorshammer oder eine Schwarze Sonne trägt oder Burzum hört, des Rechtsextremismus bezichtigt.

Metal ist martialische Musik, die Aggressionen weckt bzw. sublimiert. Während Humppa-Metal wie Finntroll die Fans zu halb-ernsten Prügelorgien im Moshpit anstachelt, gibt es für den Black-Metaler kaum etwas Entspannenderes als sich rasende Blastbeats um die Ohren zu hauen und dabei selbst förmlich zu Eis zu erstarren. Gewalt und Krieg sind dementsprechend ein großes Thema, was sich in satanistischen, heidnischen oder anderen Stilrichtungen widerspiegelt, die sich inhaltlicher Vorlagen quer durch alle Zeitalter bedienen. Die schwedische Band Sabbaton hat sich z.B. darauf spezialisiert, akustische historisch akkurate Schlachtengemälde darzubieten von der Antike bis in die Moderne. Auch Bands wie Motörhead (RIP Lemmy Kilmister) und Iron Maiden verwenden teilweise Symbolik der großen Kriege des 20. Jahrhunderts.

Patriotismus und das Kriegerische hängen eng zusammen, denn zumindest in der Vergangenheit mussten sich Stämme und Völker meist fremder Feinde erwehren. Da wird das Eigene natürlich gefeiert und beschwört. Diese archaische und extatische Urkraft gibt uns das Gefühl von Stärke und fasziniert uns bis heute. Unter anderem im Metal ist sie weiter lebendig. Die Grenze zwischen der Glorifizierung antiker oder mittelalterlicher Lebens- und Kämpfensart, dem wiederauflebenden Interesse am Glauben unserer heidnischen Vorfahren und Patriotismus im modernen Sinne kann naturgemäß nicht scharf gezogen werden. Vor dem Zeitalter der Nationalstaaten gab es ja auch schon das Gefühl der Heimatliebe, nur hatte man damals andere Bezugsgrößen. Es handelt sich um einen mystischen, numinosen Komplex, der vor allem unser Herz anspricht. Hier stelle ich nun eine Auswahl meiner Lieblinge vor:

Die irische Band Primordial mit „Heathen tribes“:
„From the frozen Baltic, I watched sunrise over Athena, walked the battlefields of Flanders and saw duskfall at Cintra. Beneath the spires of Sofia, fields of crosses at Arnhem. Armenius stood tall in Teuteborg. Senatus Populusque Romanus! To the fjords of Hordaland, shadows of ancient Albion. At the shore of a 1000th lake, Saint Vitus dance in Praha. Yet when to Ireland we return, I know that I am home at last and every sun that sets takes me closer to her Earth.“

Die Russen von Arkona spielen „In meinem Land“ („На моей земле“) mit vielen Bands aus Europa zusammen, die in ihren jeweiligen Sprachen singen. Darunter auch die Pagan-Metal-Band Menhir aus Thüringen. Dieses Lied ist eine Hymne des Europas der Vaterländer:
„Thüringer Land, wie bist du so schön, wie eine junge Maid. Die Gliederlein sind Tal und Höh‘n und Wiesenschmuck dein Kleid. Die frische Waldluft ist dein Hauch, dein Reden Vogelsang. Der Hain, das ist dein helles Haupt, dein Kuss ist Glocke Klang. Der Wald, er ist dein Mantel grün, dein Haarputz Ährengold. Zum bunten Strauße hier erblüh‘n die Blümlein zart und voll. Es ist der Wiesenschmuck dein Kleid, die Glieder Tal und Höh‘n. Du bist wie eine junge Maid, Thüringer Land, so süß, so süß.“

Die US-Amerikaner von Manowar haben insbesondere in Deutschland seit den 80er Jahren eine treue Fangemeinde. Manowar mit „Blood of the kings“:
„Our armies in England, Ireland, Scotland and Wales, our brothers in Belgium, Holland and France will not fail. Denmark, Sweden, Norway, Finland, Italy, Switzerland, Austria – Back to the Glory of Germany!“ (jubelnde Menge)

Besonders faszinierend finde ich ein Spannungsfeld, das sich im Bereich des Pagan- und Black-Metals auftut. Die schwedische Band Bathory waren Pioniere auf diesem Feld. Um ein paar neuere Namen zu nennen: Die Rumänen der Black-Metal-Formation Nebura Bunget haben die Neofolk-Band Dordeduh hervorgebracht, die auf spirituelle Weise das natürliche Wesen Rumäniens behandelt. Aus der norwegischen Black-Metal-Band Gorgoroth heraus hat sich die Gruppe Wardruna gebildet, die sich sehr anspruchsvoll mit den Geheimnissen der germanischen Runen befasst.

Ich ende mit der Übersetzung der letzten Strophe von „In meinem Land“ von Arkona:
„Oh, wie das rote Herz sich sehnte, oh, nach seinem Heimatland! Oh, in der Dämmerung eile dich, zu deiner Mutter, liebes Herz. Und dort erblickst du Rus, mit einem Lied in deinem Herzen, durch einen Strudel der Gefühle. Hier ist es, dein Heimatland! In den Ketten des Vergessens der herankommenden Kraft der Freude rufst du: Mein Land! Mein Land!“

Den Widerspruch des Feminismus überwinden

Sollte man als Mann einer Frau die Tür aufhalten? Der Kavalier tut es und die Feministin verurteilt ihn dafür, dass er es tut, weil sie eine Frau ist. Schon sind wir mitten in einem emotional stark aufgeladenen Thema, mit dem wir uns sowohl als Männer als auch als Frauen bewusst befassen sollten, um Verwirrungen zu durchdringen und unsere Leben in kraftvollerer, authentischerer und befriedigenderer Weise zu führen. Warum schreibe ich das hier in diesem Blog? Weil unser Land starke, entschlossene Männer und liebevolle Frauen braucht.

Nachdem althergebrachte Geschlechterrollen in den westlichen Gesellschaften v.a. in Folge der 68er-Bewegung und des damit zusammenhängenden Feminismus massiv an Rückhalt verloren haben, ist ein Vakuum entstanden, das zu großer Verwirrung und Frustration bei Männern und Frauen geführt hat. Sowohl Männer als auch Frauen haben ein sehr negatives Bild von Männlichkeit, das von gewaltsamer Unterdrückung der Frau, sinnloser Kriegslust und rücksichtsloser Zerstörungswut geprägt ist. Das macht vielen Männern ein schlechtes Gewissen, da sie sich schuldig dafür fühlen, dass Frauen unter Männern zu leiden hatten. Dies führt bei diesen Männern zu einer Flucht ins Feminine, d.h. sie werden feinfühliger und nachgiebiger und lassen sich ggf. in einer Beziehung von ihrer Partnerin bevormunden. Die Weiblichkeit ist nicht viel besser angesehen, da eine Frau, die vier Kinder erzieht statt ihre berufliche Karriere zu verfolgen, dem Risiko ausgesetzt ist, ihrerseits ein schlechtes Gewissen zu bekommen, weil sie die Errungenschaften der Emanzipation verraten und den Männern das Feld überlassen könnte.

Wenn man Männer und Frauen beobachtet und auch in selbst hinein horcht, kann man erkennen, dass es tatsächlich so etwas wie maskuline und feminine Essenzen gibt. Die maskuline Essenz kommt darin zum Ausdruck, dass ein Mensch klare Ziele hat, entschlossen und zielgerichtet handelt, für sich und andere Verantwortung übernimmt und sich gerne einer Art von Wettbewerb mit anderen Menschen hingibt, sei dies Karriere, Sport oder Kampf. Die feminine Essenz dagegen zeigt sich im Erschaffen, in der intensiven Verbindung zu Leben und Erde, in ungerichteter Bewegung, buntem Fließen und Strahlen, in Mitgefühl, Kooperation und Kommunikation als sozialem Akt. Das Maskuline möchte erforschen und durchdringen, das Feminine möchte gesehen, geöffnet und gehalten werden. Eine solche Essenz bringt ein Mensch mit, wenn er auf die Welt kommt. Allerdings haben alle Menschen etwas von beiden Essenzen in sich, in der Regel überwiegt eine aber deutlich. Nicht alle Männer habe eine maskuline und nicht alle Frauen eine feminine Essenz; es gibt auch Männer mit femininer und Frauen mit maskuliner Essenz, aber sie sind in der Minderheit.

Das Faszinierendste an den Essenzen sind die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sie hervorbringen. Denn zwischen den Essenzen baut sich eine Spannung auf, eine nicht zuletzt sexuelle Anziehung. Das Feminine sucht die Beziehung, da es vom Maskulinen wahrgenommen und durchdrungen werden will; es möchte einen geschützten Raum bekommen, in dem es fließen kann. Das Maskuline wiederum möchte den strahlenden Tanz des Femininen genießen. Diese Pole sind in jeder Beziehung in verschiedener Ausprägung vorhanden. Das gilt sowohl für hetero- als auch für homosexuelle Beziehungen; Männer mit femininer Essenz und Frauen mit maskuliner Essenz fallen oftmals durch ihre charakteristische Ausstrahlung auf. In einer idealen Beziehung drücken beide Partner ihre jeweiligen Essenzen aus und dadurch ergibt sich eine starke Anziehung. Doch leider ist bei vielen Menschen die Essenz verschüttet durch zahllose Einflüsse, denen sie v.a. in der Kindheit ausgesetzt waren und denen sie sich anpassen mussten, und zwar durch die Erziehung, Vorbilder in ihrer Familie und sonstige Sozialisation. Menschen, die keinen Zugang zu Ihrer Essenz haben und emotionale Verwirrungen in sich tragen, wissen oft selbst nicht mehr, was sie eigentlich wollen. Sie kommen mit Partnern zusammen, die in ihrer Verwirrung zu ihnen passen, aber damit wird keiner der beiden dem gerecht, was sie natürlicherweise ausleben würden. Bald kommt es zu einem raschen Nachlassen der Anziehung, wenn die rosa Brille verblasst ist, d.h. wenn man erkennt, dass die Projektionen, die man in den anderen gerichtet hat, nicht mit der Wirklichkeit zusammen passen. Die Beziehung hat sich auf einer oberflächlichen Ebene abgespielt und die Essenzen der Partner sind sich nicht begegnet.

Der Feminismus verkennt das eigentlich Feminine als etwas Schwaches und Hinderliches und das eigentlich Maskuline als eine Gefahr, die es zu bekämpfen und zu überwinden gilt. Dabei ist es aber das Ziel des Feminismus, dass Frauen wie Männer werden. Darin liegt der Widerspruch des Feminismus. Beide Geschlechter sind durch diese Verwirrung von ihrer eigentlichen Essenz entfremdet und stehen auch der anderen Essenz kritisch gegenüber. Deshalb ist es heute die Aufgabe aller, die die Verwirrung erkannt haben und ihre eigene Essenz bewusst freilegen und ihr Kraft schenken, anderen zu helfen, ihre Verwirrung zu überwinden. Maskuline Männer sollten sich also auf die maskuline Essenz und feminine Frauen auf die feminine Essenz besinnen und erspüren, zu welchen Aspekten der althergebrachten Rollenbilder sie ja sagen wollen. Wenn sie diesen dann in ihrem Leben nachkommen, werden sie stärker und glücklicher sein.

Was hat eine Frau mit femininer Essenz davon, wenn sie sich aus Gründen eines aufgesetzten Feminismus dagegen verwehrt, dass ihr ein maskuliner Mann die Tür aufhält oder ihren Koffer trägt? Wenn beide ihre Essenzen bewusst ausleben, kann sich die Frau darüber freuen, dass ihr ein präsenter Mann behilflich ist und sie ein Stück weit in seinem Schutz ausruhen kann, während der Mann glücklich ist, seine Aufmerksamkeit einer Frau widmen zu können und dies von ihr mit einem offenen, strahlenden Lächeln gedankt zu bekommen. Dieses feine Spiel der Anziehung können wir jeden Tag mit vielen Menschen spielen und dabei werden wir unserer Natur gerecht.

Es geht nicht darum, Frauen das Wahlrecht zu entziehen, sie an den Herd zu ketten und Männern wie früher den Zutritt in den Kreißsaal zu verwehren. Es geht um Wahrhaftigkeit auf beiden Seiten und bei jedem mit sich selbst.

Die Frauenrechtsbewegung hat Gutes gebracht, aber eben auch eine Verwirrung, die Männer und Frauen daran hindert, einander in authentischer Weise zu begegnen. Dies schadet dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und untergräbt die Werte. Insofern ist der Feminismus auch eine Geißel des Kulturmarxismus. Sagen wir dieser Verwirrung den Kampf an, weil es besser für uns alle ist und weil unser Land starke, entschlossene Männer und liebevolle Frauen braucht.

Quellen:

Bjørn Thorsten Leimbach: Abenteuer männlicher Verführung. Ellert & Richter Verlag GmbH, Hamburg, 2012.
David Deida: Der Weg des wahren Mannes. J. Kamphausen Mediengruppe GmbH, Bielefeld, 2006.
Teal Swan: https://www.youtube.com/watch?v=Vnbi2tiTHAk und https://www.youtube.com/watch?v=p1Ahy6m4wHM

Die patriotische Linke

Dieses Thema wirkt exotisch: patriotische Linke? Das klingt wie ein Widerspruch. Doch die Vielfalt der politischen Einstellungen passt nicht in die Schubladen, die man uns gerne andient, und es gibt ein breites Niemandsland sozusagen auf der Rückseite des politischen Spektrums zwischen „rechts“ und „links“. Dieser Artikel ist eine Sammlung von größeren und kleineren Schlaglichtern auf dieses Niemandsland.

Dem einen oder anderen fällt sicherlich das Compact-Magazin mit Jürgen Elsässer ein, ehemaliger Kommunist, im Herzen den alten Ideen durchaus noch verbunden, aber heute Frontfigur einer Zeitschrift, die vielen als unberührbar und rechtsextrem gilt. Auch die Wandlung Manfred Kleine-Hartlages und Matthias Matusseks von „links“ nach „rechts“ verwirrt so manchen Zeitgenossen.

Ernst Thälmann, KPD-Vorsitzender, schrieb noch 1944 aus dem Gefängnis: „Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk; und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation. Eine ritterliche, stolze und harte Nation.“ Ein Politiker der Linken, der heute eine solche Äußerung machte, wäre politisch erledigt.

Auch Josef Stalin lässt sich nicht so ohne Weiteres einordnen. Nachdem klar war, dass die Weltrevolution so schnell nicht zu erreichen sein würde, wie noch Lenin das erhofft hatte, schuf Stalin ein repressives System eines stark national geprägten Sozialismus, der marxistisch-leninistische Propaganda mit russischem Patriotismus verband. Auch der Kommunismus Maos setzte auf ein abgeschottetes China.

Heute gibt es ein paar versprengte linksnationale Plattformen im Internet und kleiner Gruppierungen mit geringer Reichweite. Hier ist z.B. das Portal „Rote Fahne“ zu nennen. Es gibt sich als in der Tradition des Sozialismus alter Schule stehend und bezieht mitunter patriotische Positionen, z.B. in den Fragen deutscher Souveränität und Migration. Viel Interesse dafür besteht aber offenbar nicht.

Auch der Begriff der „Querfront“ ist schillernd. Am lebendigsten war er in der Zeit der Weimarer Republik, als z.B. der linke Strasser-Flügel der NSDAP mit Teilen der KPD zusammenarbeitete und nationalrevolutionäre und nationalbolschewistische Gruppen aktiv waren. In den Forderungen des Versailler Vertrags und den deutschen so genannten Erfüllungspolitikern sah man einen gemeinsamen Feind und in einem erneuerten, selbstständigen Deutschland eine gemeinsame Perspektive. Heute ist der Begriff der Querfront im Wesentlichen auf politische Randerscheinungen wie die Autonomen Nationalisten im NPD-Milieu beschränkt, die einen „nationalen Sozialismus“ fordern. Tendenziell werden Querfrontstrategien heute als Versuche der extremen „Rechten“ gesehen, „Linke“ zu verführen und für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Nun richte ich zwei größere Schlaglichter auf den Studentenführer der 68er-Bewegung Rudi Dutschke und anschließend auf die Nationalrevolutionäre und Nationalbolschewiken der Weimarer Republik.

Rudi Dutschke:

Mit dieser faszinierenden Person habe ich mich bereits hier ausführlicher befasst. Sehr interessante Aspekte an Dutschke aus der patriotischen Perspektive sind nicht nur, dass er einen christlichen Hintergrund hatte, dass er ein geradezu bürgerliches Leben mit Ehefrau und Kindern führte, und so gar kein typischer freizügiger Kommunarde sein wollte, sondern auch, dass er die Wiedervereinigung Deutschlands forderte. Ganz im Gegensatz zu antideutschen Strömungen der 68er war Dutschkes Sozialismus zunächst national ausgerichtet. So stieß er z.B. mit folgenden Äußerungen bei Linken auf Ablehnung:

  • „Warum denken deutsche Linke nicht national? Die sozialistische Opposition in der DDR und in der Bundesrepublik müssen zusammenarbeiten. Die DDR ist zwar nicht das bessere Deutschland. Aber sie ist ein Teil Deutschlands.“ (Rudi Dutschke, Die Deutschen und der Sozialismus, das da/avanti Nr. 6, 1977.)
  • „Unter solchen Bedingungen fängt der linke Deutsche an, sich mit allem möglichen zu identifizieren, aber einen Grundzug des kommunistischen Manifests ignorieren: Der Klassenkampf ist international, in seiner Form aber national.“ (Allgemeines Deutsches Sonntagsblatt vom 5. Juni 1977.)

Dutschke hielt das Selbstbestimmungsrecht der Nationen hoch und leitete daraus das Verlangen nach der Wiedervereinigung ab. Der linke Mainstream verwehrte sich dagegen, da ihm alles Deutsche suspekt war und weitgehend noch ist. Dutschke dagegen bezog hier eine erfrischende Gegenposition, die wir als Patrioten heute als vorbildlich begrüßen können. Als Fernziel schwebte jedoch auch Dutschke die Weltrevolution vor, in deren Zuge die Grenzen der Nationalstaaten überwunden werden sollten, um ein globales Bewusstsein und eine globale Gemeinschaft ohne Verblendung und Ausbeutung zu schaffen.

Nun zu den Nationalrevolutionären und Nationalbolschewiken:

Heute weitestgehend vergessen, gab es in der Weimarer Republik neben den Kommunisten und rechtsnationalen Kräften wie den Nationalsozialisten auch einige Gruppen, die dem revolutionären Nationalismus bzw. dem Nationalbolschewismus zugerechnet werden. Greifen wir ein Positionspapier der „Gruppe Sozialrevolutionärer Nationalisten“ (GSRN) heraus, verfasst von Karl Otto Paetel im Jahre 1933. Es kam zu spät, denn das Jahr 1933, die Machtergreifung Hitlers, rückte alle Ziele einer anderen nationalen Zukunft Deutschlands als der der Nationalsozialisten in weite Ferne. Auch in der NSDAP hatte es Sozialisten gegeben wie Georg Strasser, die meisten von ihnen waren jedoch bereits 1930 demonstrativ ausgetreten, und spätestens mit der Zerschlagung des Röhm-Putsches war die Partei auf Linie Hitlers gebracht. Das Spannungsfeld des revolutionären Nationalismus bewegte sich zwischen dem Widerstand gegen die wirtschaftliche Knechtung und Ausbeutung Deutschlands in Folge des Versailler Vertrages, hinter dem man durchaus zu Recht die Interessen des transnationalen Großkapitals ausmachte, und der Vision eines deutschen Sozialismus unter Erhaltung der Nation. Was man auch immer vom Sozialismus halten mag, stellt sich die Frage: Was lässt sich heute noch mit diesem Dokument mit dem Titel „Weshalb nicht KPD?“ beginnen? Ich habe dieses Dokument bereits in der Vergangenheit detailliert analysiert und ich empfehle, das hier nachzulesen. Paetel grenzt die Bewegung, der er selbst angehört, in seinem Papier gegen die Positionen des revolutionären Marxismus ab. Hier nur eine knappe Zusammenfassung ausgewählter Punkte:

  • Ziel der Nationalrevolutionäre war es, ein selbstständiges, antiimperialistisches Deutschland zu schaffen. Die heutigen politischen Denkkategorien sträuben sich dagegen, aber man versuchte tatsächlich die Synthese von Sozialismus und Nation, und zwar ernsthaft und kompromisslos.
  • Zitat Paetel: „Der revolutionäre Nationalismus weiß um die Zeugungskraft der Idee, die Notwendigkeit religiöser Erneuerung und die Existenz irrationaler Kräfte, er sieht in der Idee der Nation seinen letzten Wert und im Volkstum eine schicksalsmäßig immanente Kraft. Alle politischen und wirtschaftlichen Erfordernisse sind Wege, dieser Idee Form und Wirklichkeit zu geben.“
  • „Der revolutionäre Nationalismus ist antifaschistisch, weil der Faschismus, abgesehen von den fremdvölkischen Zügen, es nicht versteht, die Führungskräfte des Proletariats einzubauen, in seiner Wirtschaftsordnung lediglich eine Reform am Kapitalismus, in seiner ständisch getarnten Staatsform eine Diktatur über das werktätige Volk ist und dadurch die Teilung der Nation in Herrscher und Beherrschte verewigt.“
  • „Der revolutionäre Nationalismus sieht im Räteaufbau als der Selbstverwaltung des schaffenden Volkes die Garantie der politischen Verantwortlichkeit und wirtschaftlichen Kontrolle der Volksgemeinschaft, vorgebildet in Ansätzen germanischer Herrschaftsformen.“
  • In den Bereichen Klassenkampf, Revolution, Sozialismus, Räte, Außenpolitik und Antifaschismus gab es eine Reihe von Forderungen und Erkenntnissen, die mit dem Marxismus übereinstimmten, „die Zielwelt des Nationalismus und des Marxismus“ erkennt Paetel jedoch als durchaus verschieden.
  • Heute undenkbar wäre folgender Ausruf: „Gegen das Versailler System – (…) Für die Sozialistische Revolution – Für Großdeutschland!“

In der Schule, der Universität und den Medien hört man heute nichts mehr von diesem Zweig am Baum der deutschen Geschichte, weil alle politisch-wirtschaftliche Gesinnung, die nicht linksextrem, links-liberal oder kapitalistisch-neoliberal ist, mit dem Nationalsozialismus assoziiert wird. Das ist aber nicht verwunderlich, da die heutigen Machthaber und Gesinnungskonstrukteure natürlich nicht das Gedanken- und Machtgefüge schwächen wollen, das sie stützt.

Ausblick

Vorherrschende linke politische Einstellungen lassen sich heute kaum noch als Marxismus oder Sozialismus fassen. Das liegt an der Verwandlung des Linken in der Folge des Zweiten Weltkriegs, an Einflüssen der 68er-Bewegung (davon nehmen wir Rudi Dutschke zum Teil aus), einschließlich der Frankfurter Schule, und am Scheitern des real-existierenden Sozialismus des Warschauer Pakts. Heute haben wir es mit einem Kulturmarxismus zu tun, dessen revolutionäres Subjekt nicht mehr das Proletariat ist, also eine Mehrheit in der Bevölkerung, sondern gesellschaftliche Minderheiten wie Migranten und Homosexuelle. Schrieben sich Linke früher noch die Interessen der Mehrheit auf die Fahnen, die es von der Ausbeutung einer kapitalistischen Minderheit zu befreien galt, geht es heute um gewisse gesellschaftliche Freiheiten und die Abschaffung von Werten, wovon vornehmlich Randgruppen profitieren. Bemerkenswert ist, dass diese Politik auch von Menschen gewählt wird, die nicht zu diesen Minderheiten zählen. Das liegt zumindest in Deutschland daran, dass es vor dem Hintergrund des Nationalsozialismus schick geworden ist, sein kollektives schlechtes Gewissen damit zu beruhigen, die eigenen Interessen zurückzustellen und jene zu begünstigen, die vermeintlich oder tatsächlich benachteiligt sind.

Warum sind linksnationale Gruppen in Deutschland so schwach? Gründe dafür sind die starke politische Deutungshoheit der mainstreamtreuen Soziologie und ihre in der Presse immer wieder zitierten Extremismusexperten, die Berührungsängste schaffen, und eine gewisse politische Gruppendynamik, d.h. die Tatsache, dass politische Gesamtpakete nicht hinterfragt werden: Bist du links oder rechts? Wenn du vermeintlich wertkonservativ wählen willst, musst du die Atlantikbrücke und damit das transnationale Großkapital mitwählen. Wenn du mehr Umweltschutz willst, musst du auch mehr Migration unterstützen. Hier ist etwas grundlegend faul in der Art, wie Parteien funktionieren. Wir sollten uns über eine flexiblere, vielleicht mehr an die individuellen Überzeugungen von Politikern gebundene Vertretung der Interessen der Bürger Gedanken machen.

Auf Reisigs Blog:

Was wir von Rudi Dutschke lernen können https://reisig.wordpress.com/2011/11/07/was-wir-von-rudi-dutschke-lernen-konnen/

Was haben uns die Nationalrevolutionäre der Weimarer Republik heute noch zu sagen? https://reisig.wordpress.com/2012/10/20/was-haben-uns-die-nationalrevolutionare-der-weimarer-republik-heute-noch-zu-sagen/

Quellen:

Zu Protokoll: Günter Gaus im Gespräch mit Rudi Dutschke https://www.youtube.com/watch?v=U6X-ZeYC54E&feature=related

Karl Otto Paetel: Weshalb nicht KPD? In: Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland. K.O. Paetel. 1999, Verlag Siegfried Bublies, Schnellbach. S. 292-295

Zitat von Ernst Thälmann: https://de.wikiquote.org/wiki/Ernst_Th%C3%A4lmann

Das ewige Deutschland

Die Frage, was Deutschland sei, wirft zahlreiche Assoziationen auf, die sich nach politischer Gesinnung unterscheiden. Da sind kulturelle Eigenheiten, Sprache und Bräuche, da ist gemeinsame Geschichte, da ist geteiltes Schicksal. Da sind heute auch der Verfassungspatriotismus und da sind Vorstellungen von Werten wie Humanität und Menschenrechten. Um diese Diskussion wollen wir hier aber diesmal nicht kreisen. Stattdessen wollen wir tiefer gehen. Über all der Form Deutschlands und all den Eigenschaften, die ihm diese und jene zumessen, ob sie sich ernsthaft zu Deutschland bekennen oder in ihm vornehmlich eine Verwaltungseinheit sehen, gibt es eine erhabene Ebene. Auf dieser Ebene ist das ewige Deutschland, das heilige Deutschland. Nicht zuletzt von Stauffenberg berief sich darauf. Auch wir wollen uns darauf berufen.

Das ewige, das heilige Deutschland existiert unabhängig vom jeweiligen auf deutschem Boden herrschenden politischen System. Es ist unabhängig von der Fähigkeit oder Unfähigkeit und der Hingabe oder der Niedertracht der Politiker. Mögen die Bürger noch so einfältig, noch so manipulierbar sein – das ewige Deutschland verliert kein bisschen Glanz, wenn die Deutschen seiner vergessen. Es blüht nicht auf und es leidet nicht unter blutigen Griffen nach militärischer Vorherrschaft, unter der Exportweltmeisterschaft, der europäischen Integration oder der Willkommenskultur. Das ewige, heilige Deutschland schwebt über unseren Köpfen, es ist geradezu von religiöser Qualität. Es braucht keine Verherrlichung und nichts kann ihm Schaden zufügen.

Umgekehrt spüren aber einige von uns Deutschen, dass wir das heilige Deutschland brauchen. Wir, die wir in einem bestimmten politischen System leben, regiert von bestimmten Politikern, umgeben und geprägt von und ringend mit bestimmten gesellschaftlichen Zuständen. Und viele andere spüren auch, dass sie etwas brauchen, aber sie haben keinen Begriff dafür, was es sei. Sie gehen zur Arbeit, verdienen Geld, gehen ihren Hobbys nach und ziehen vielleicht auch Kinder groß. Aber etwas Höheres fehlt ihnen, etwas das ihnen hohen Sinn und geborgene Einbettung gibt. Dieser Mangel ist der Tyrannei des Wirtschaftlichen zu verdanken. Wir erleben die Tyrannei des Wirtschaftlichen jeden Tag: wenn Politiker dem goldenen Kalb des Wachstums huldigen; wenn sie das Volk mit Steuererleichterungen umwerben; wenn uns suggeriert wird, der Export sei unsere edelste Eigenschaft; wenn wir den Fernseher einschalten oder auf die Straße gehen und angewidert Werbeplakate und Leuchtschriften lesen, wo überall nur Konsum, Erleichterung der täglichen kleinen Bedürfnisse und der Traum von persönlichem Status gepredigt werden. Das kann nicht alles sein, und gottlob ist es nicht alles. Doch wir können es nur dann spüren, wenn wir die Stärke, Entschlossenheit und Unabhängigkeit aufbringen, durch den Tand und Trubel hindurch zu sehen und uns für Höheres zu öffnen. Wir müssen auch ertragen können, dass wir uns damit von der empfundenen Lebenswirklichkeit der meisten Menschen entfernen und sie uns etwas fremder werden, da sie den Werbeplakaten und Versprechungen der Politiker glauben.

Gleich heidnischen Göttern, die keine universelle Gültigkeit für eine weltumspannende Religion besitzen, sondern einen ihrem Stamme eigenen Charakter haben, strahlt das heilige Deutschland in unsere Herzen. Ebenso glänzen das heilige Frankreich, das heilige Russland und zahllose andere dieser transzendenten Kräfte in den Herzen ihrer Völker. So spürt der Mensch die geistige Essenz hinter seiner Gemeinschaft. Das ewige Polen existierte auch, als es keinen polnischen Staat gab. Auch dann gab es Menschen polnischer Volkszugehörigkeit, die den Blick an den Himmel warfen und das heilige Polen erblickten.

Woher kommt das ewige Deutschland? Es kommt aus numinosen Tiefen des Geistes, die der Verstand nicht zu fassen vermag und von denen unsere so sehr verstandesbestimmte Zeit deshalb behauptet, dass es sie gar nicht gebe. Es wuchs in der Geschichte, als deutsches Volk, deutsches Wesen und deutsches Schicksal Gestalt annahmen, so wie auf der Stufe des Geistigen immer die geistigen Essenzen menschlicher Gemeinschaften erstanden sind und weiter erstehen.

Freilich sind heute viele Menschen nicht in der Lage, das ewige Deutschland zu spüren. Nach der nationalsozialistischen Epoche ist der herrschenden Politik das Pathos verhasst, und diese Haltung wurde uns über viele Jahrzehnte in den Medien und Bildungseinrichtungen vermittelt. Durch Nüchternheit und Rückzug ins Kleinbürgerliche, in die Privatheit, aber geht vielen der Kontakt zum Heiligen verloren. Manche entdecken es selbst nach langer Suche, manchen erscheint es ungerufen. Andere lechzen nach etwas und wissen nicht, dass es das ist, was sie suchen. Wieder andere können dazu aufgrund ihres Wesen und ihres Wollens niemals Kontakt herstellen. Das liegt entweder daran, dass jene so vernunftsverhaftet sind, dass sie gar keinen Glauben anerkennen wollen, oder dass sie andere tiefe, energiegeladene Überzeugungen haben wie den Glauben an ihr narzisstisches Selbst, das heilige Europa, den Gottesstaat, die Eine Welt, die Weltrevolution oder die Befreiung von Mensch und Tier von aller Ausbeutung.

Ich kann das heilige Deutschland spüren und ich weiß, dass viele andere da draußen es auch spüren können. Es ist kein Phantom, an das wir glauben. Und doch ist es ein Glaube. Und wie jeder Glaube gibt er uns Kraft und Zuversicht, das Richtige zu tun und heilige, ewige Kräfte durch uns wirken zu lassen. Das Wissen um das ewige Deutschland, das lebendige Spüren seiner Kraft, kann uns einen Eifer schenken, uns inmitten der Welt der Oberflächlichkeit, der Beliebigkeit und der Lauheit, der Nivellierung des Gewachsenen, der verblendeten Gutmenschen und der kleinkarierten Besitzstandswahrer für die ideelle und materielle Sache Deutschlands einzusetzen und somit dem ewigen Deutschland auch in dieser gegenständlichen Welt Ausdruck zu verleihen.

Zu Besuch bei Mütterchen Russland

Russland! Das ist ein altes Mütterchen, ein kampfesmutiger Bär, Väterchen Frost, große Armut, großer Prunk, Militärparaden, tiefes Leid, beispiellose Duldsamkeit, Improvisationsvermögen und eine stattliche Rammstein-Fangemeinde. Das sind unterbezahlte und überarbeitete griesgrämige Kassiererinnen im Laden und große Gastfreundschaft. Während ich in landestypischer Manier geröstete Sonnenblumenkerne nasche, schreibe ich meine jüngsten Gedanken zu Russland nieder. Ich habe gerade eine Reise nach dem gigantischen, vibrierenden Moskau, über das alte Hansekontor Weliki Nowgorod (Neugarten) und nach der Schöpfung Peters des Großen, St. Petersburg, hinter mir.

An der Landstraße sitzen Frauen und preisen selbst eingekochtes Obst zum Verkauf an. In einem Supermarkt an der Landstraße werden Militärparkas angeboten, doch nicht nur russische, sondern auch ein deutscher Nässeschutz mit Hoheitsabzeichen. Auf den brachliegenden Feldern des weiten Landes wachsen Gras und Büsche. Es ist traurig anzuschauen, dass das größte Land der Erde, mit natürlichen Rohstoffen und fruchtbarer Erde gesegnet, seine Lebensmittelversorgung nicht selbst gewährleisten kann. Vor dem Ersten Weltkrieg hat das noch sehr gut funktioniert, in der Sowjetunion aber haben die ineffiziente Planwirtschaft und die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft zu hohen Reibungsverlusten geführt. Ernten verfaulten auf den Feldern und die Bauern lebten von dem Bisschen, was sie in der Freizeit im eigenen Garten anbauten. Für Rüstung und Raumfahrt war immer Geld da, aber das Volk konnte das Land kaum ernähren. So musste die Sowjetunion Lebensmittel aus dem Westen importieren. Als nach der Wende einige Wenige bei der Privatisierung der ehemaligen Staatsbetriebe große Reichtümer anhäuften und zu Oligarchen aufstiegen, ging die Landwirtschaft völlig in die Knie. Heute scheint sich die Lage etwas zu bessern: Als der Westen wegen der Krimkrise Sanktionen gegen Russland verhängte, erließ Putin Gegensanktionen, die die Einfuhr von Lebensmitteln aus der EU verbieten. In der Folge entwickelt sich die Landwirtschaft in Russland wieder langsam. Vermutlich wäre die beste Strategie, Russland zur Selbstversorgung zu verhelfen, eine Kombination von Einfuhrbeschränkungen bzw. Zöllen und einer Förderung der Industriezweige, die mit der Landwirtschaft zusammenhängen, wie z.B. der Transportbranche.

Die Bevölkerung Moskaus, St. Petersburgs und generell des europäischen Nordrusslands erscheint für das deutsche Auge sehr homogen. Die alten Frauen auf dem Lande und auch manche jungen Frauen in den Kirchen tragen Kopftücher, aber muslimische Migranten sieht man nur sehr wenige. Russland ist zwar ein Vielvölkerstaat, der muslimische Tschetschenen, kaukasische, zentralasiatische und sibirische Völker einschließt, und die allgegenwärtigen Bauarbeiten in Moskau werden zum großen Teil von Arbeitern aus dem Kaukasus und Zentralasien verrichtet; Kirchen besichtigende Schulklassen sind aber weitestgehend ethnisch russisch. Asylmigranten gibt es, diese sind allerdings nur auf der Durchreise, besorgen sich schrottreife Autos, von denen es viele in Russland gibt, und fahren damit nach Finnland. Der demographische Wandel hat auch Russland ereilt, wo viele Ehen geschieden werden und viele Männer ein ernstes Alkoholproblem und keine hohe Lebenserwartung haben. Dennoch scheint Zuwanderung entgegen der gängigen Meinung in Kreisen der OECD und der EU dort keine Option zu sein.

In Deutschland gibt es das Klischee, dass junge Russinnen in der Öffentlichkeit vergleichsweise stark aufgetakelt sind. Das kann ich nicht bestätigen. Nach meiner Beobachtung ist ihr Äußeres in der Regel betont femininer als in Deutschland, was Kleidung und Frisur betrifft. Ihre männlichen Partner haben meist ein betont maskulineres Erscheinungsbild und eine entsprechende Ausstrahlung. Die Geschlechter sind in Russland stärker akzentuiert, als dies im Durchschnitt in Deutschland zu beobachten ist. Wenn man für solche Dinge ein Auge hat, ist es wirklich nicht zu übersehen.

Es gibt einen augenfälligen Unterschied zwischen den Zentren der russischen Metropolen und dem Rest des Landes: Insbesondere in Moskau und weniger deutlich in St. Petersburg sind die Fassaden renoviert, allenthalben wird abgerissen und gebaut, Putzkolonnen durchstreifen die Parks. Obdachlose bekommt man nur ganz vereinzelt zu Gesicht. Der Kontrast zu mit Migranten und Obdachlosen angefüllten Städten wie Paris und Brüssel könnte kaum stärker sein. Es ist klar zu sehen, dass die Obrigkeit in Russland in ein tadelloses Erscheinungsbild der von zahlreichen Touristen besuchten Stadtzentren investiert. Fährt man in die Randbezirke der Großstädte, häufen sich die gigantischen, schäbigen Mietskasernen mit winzigen Wohnungen, von denen viele die Balkone verkleidet haben, um etwas mehr Wohnraum zu gewinnen. In Kleinstädten reihen sich viele schiefe Holzhäuser, neben denen rostige Ladas parken, an wenige Häuser von Wohlhabenden, die auch in Deutschland stehen könnten, mit westlichen Limousinen. In der Regel teilen sich beide die gleiche unbefestigte und von Schlaglöchern geprägte Schlammpiste. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die öffentliche Infrastruktur schlecht und die Unterschiede zwischen Arm und Reich sehr groß sind. Eine Mittelschicht wie in mitteleuropäischen Gesellschaften ist kaum vorhanden.

Die Folgen der ineffizienten Planwirtschaft und der Wirren der Wende sind überall zu sehen. Technische Geräte vom Föhn im Hotel bis zur Straßenbaumaschine kommen in der Regel aus Deutschland und anderen westlichen oder fernöstlichen Ländern. Nur noch wenige kleine, eckige russische Autos fahren zwischen der großen Masse der modernen Autos internationaler Marken, die man auch auf deutschen Straßen sieht. Ausländische Autos sind ein Statussymbol geworden und die russische Wirtschaft hat nichts Vergleichbares zu bieten. Ich hadere mit mir, ob ich diese Nachfrage der Russen aus der Sicht ihres Volkes unpatriotisch finden soll. Doch ich halte mich bescheiden zurück, da ich selbst nicht die Erfahrung einer viele Jahrzehnte anhaltenden Mangelwirtschaft gemacht habe, die immer Geld für Raketen, aber keines für Strumpfhosen hatte. Ich hatte in Russland unter anderem nach Anzeichen eines Gegenentwurfs zum westlichen Modell des Zusammenlebens und des Wirtschaftens gesucht. Doch der westliche Kapitalismus hat der Gesellschaft und dem Land seinen Stempel aufgedrückt und baut das Land weiter um. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, die in utopischer Weise ein Gegenmodell verhießen hatte, folgte die totale Verarmung der Bevölkerung durch die Geldabwertung im Jahre 1998, grassierende Arbeitslosigkeit, zu niedrige Löhne und zu hohe Preise. Heute spricht zwar nur eine Minderheit der Russen eine Fremdsprache, aber seit der Wende haben sich bezeichnenderweise zahlreiche Anglizismen in der russischen Sprache breit gemacht. Begriffe wie „Fitness Club“, „Super Market“, „Business“, „Service“, „Leasing“ und „Second Hand“ werden zwar in kyrillische Schrift übertragen, signalisieren aber den vom sowjetischen Gegenentwurf enttäuschten Menschen ein Versprechen von Wohlstand und Status. Heutzutage sind viele westliche Konzerne in Russland vertreten wie McDonald‘s, Burger King, H&M, Ikea, Deutsche Bank, Allianz, Shell, Gucci und alle möglichen Automarken. Russische Marken sieht man seltener, so z.B. die Tankstellen und Bankfilialen von Gasprom. Eingedenk der historischen Enttäuschung des Sehnens der Russen macht es mich etwas traurig, diese Verhältnisse zu sehen, aber auch weil es zeigt, dass ein effektiver Gegenentwurf zum globalisierten Kapitalismus neue Wege beschreiten muss.

Vor lauter Westbindung Deutschlands und Einschränkung der Wahrnehmung auf die Zeit seit 1933 wird in Deutschland heute leider oft die großartige geschichtliche Beziehung zwischen Russland und unserer Heimat übersehen. Dies hat sich u.a. in etlichen Wörtern deutscher Herkunft in der russischen Sprache niedergeschlagen, z.B. Rucksack, Marschroute, Schlagbaum, Kiel, Buchhalter und Postamt. Deutsche und Russen waren schon seit dem Mittelalter wichtige Handelspartner. Die Hanse hatte ein Kontor in Weliki Nowgorod und so gab es reiche Kontakte und Handelsbeziehungen quer durch Europa. Noch heute zeugt davon das Portal einer alten Kirche im Kreml von Nowgorod, das in Magdeburg gefertigt wurde. Es gab über viele Jahrhunderte intensive verwandtschaftliche Verflechtungen durch strategische Heiratspolitik zwischen russischen und deutschen Adelshäusern. Zar Peter der Große reformierte Russland und verschaffte seinem Reich eine Stellung auf Augenhöhe mit anderen Großmächten. Dazu holte er Handwerker, Architekten und Wissenschaftler aus mittel- und westeuropäischen Ländern nach Russland, darunter viele Deutsche. Weniger bekannt ist, dass die Nachfahren der deutschen Ordensritter im ehemaligen deutschen Ordensstaat im Baltikum nach der Einverleibung des Baltikums durch Russland vom 18. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg hohes Ansehen genossen und führende Positionen in der russischen Armee und Wissenschaft einnahmen. Ebenfalls im 18. Jahrhundert lud die aus dem Haus von Anhalt-Zerbst kommende Zarin Katharina die Große zahlreiche Deutsche als freie Bürger zum Siedeln an die Wolga ein. Später in der Sowjetunion hatten sie bis 1941 noch eine eigene Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. Dann jedoch ließ sie der misstrauische Stalin in den Osten deportieren und zur Zwangsarbeit knechten. Dies ist die Geschichte der Russlanddeutschen, die seit den 1990er Jahren zu uns kommen. Im Bewusstsein all dieser Beziehungen zwischen beiden Ländern ist es traurig zu sehen, was im 20. Jahrhundert daraus geworden ist. Wir sollten die Zerwürfnisse überwinden und an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen.

Nach der Enttäuschung des Kommunismus und den wilden Jahren nach der Wende hat sich der unerschütterliche Pragmatismus der Russen bewährt. Angesichts der ideologischen Trümmer besinnen sich manche auf die orthodoxe Kirche, die nun wieder erstarkt ist. Propagandistische Massenveranstaltungen wie Militärparaden zum 9. Mai (Tag des Sieges 1945) und Musikfestivals zum 22. Juni (Beginn des „Vaterländischen Krieges“ 1941) halten die Erinnerung an glorreiche Aspekte der russischen Vergangenheit lebendig und stiften sozialen Zusammenhalt. Dieser wird angesichts der großen Armut auch gebraucht. Dennoch hatte ich als Ausländer und insbesondere als Deutscher nicht das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Anders als es die westlichen etablierten Medien vermitteln, bekommt man in Russland keineswegs den Eindruck, Russland stünde kurz davor, den Dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen. Russland ist ein faszinierendes Land der Gegensätze, von dem wir auch lernen können. Wir sollten viel mehr tun, einander besser zu verstehen und gemeinsame Interessen zu verfolgen.